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AG Altlasten fordert weitere Offenlegungen

Nach viermonatiger Analyse zahlreicher Dokumente hat die AG Altlasten ein erstes Zwischenergebnis erstellt, welches hier als PDF Dokument verfügbar ist.

Seit 2004 erfolgt keine Ausbreitung der Schadstoffe im Grundwasser mehr, die Schadstoffe bleiben wo sie sind und es besteht keine Gefahr für oberirdische Gewässer, auch keine sonstige Gefahren, Nachteile oder Belästigungen für den Einzelnen oder die Allgemeinheit. Die Aufbereitungsanlage sieht nicht nur hässlich aus, sondern verschlingt enorm viel Geld, Geld, das anderswo fehlt. Zum Beispiel unserem Kiezteich. Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme muss dringend geprüft werden.
Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, dass, obwohl für das Schutzgut Mensch keine Gefahr durch die historisch bedingte Altlastensituation in großer Tiefe besteht, Erdaushubarbeiten, z.B. durch Neubauten, die in relevante Schadstofftiefen vordringen und diese mobilisieren, allerdings grundsätzlich auf dem gesamten Areal des ehemaligen Gaswerkes zu vermeiden sind. Bis dato versiegelte Schadstoffquellen können eine finanziell aufwändige Entsorgung notwendig machen und im schlimmsten Fall auch eine Gefährdung der Anwohner bedeuten.
Die AI fordert zudem eine erneute Prüfung des stillgelegten Tiefbrunnens des ehemaligen Gaswerkes, da dieser für Kiezteich und Bewässerung der Parkanlagen dringend gebraucht wird.

Bericht vom Treffen der AG Altlasten

Wir haben uns bei unserem Treffen am Montag, 27.05.2013 um 17:00 Uhr weiter mit der Analyse der uns zur Verfügung stehenden Daten zur Altlastensituation beschäftigt und eigene Modellrechnungen diskutiert. Generell benötigen wir aktuelle Messdaten, um eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung erarbeiten zu können. Beim nächsten Treffen werden wir einige Kernforderungen schriftlich fixieren (Informationstafel an der Reinigungsanlage, Vergleich Situation anderer ehemaliger Gaswerkstandorte, Messungen der Wasserqualität des Brunnens am Kiezteich …). Es bleibt spannend, so langsam kommt Licht in das Dunkel…

Altlasten in großer Tiefe – Grundwasserreinigung in den nächsten Jahrzehnten notwendig

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz hatte gestern gemeinsam mit dem zuständigen Ausschuss der BVV zu einer Veranstaltung in die BVV Pankow eingeladen, um die Bevölkerung im Thälmannpark-Areal und in den umliegenden Kiezen über den momentanen Stand der Altlastensituation zu informieren. Auf dem Gebiet des Thälmannpark-Areals befand sich zwischen 1873 und 1982 ein Gaswerk im Betrieb, welches sich über einen Großteil des heutigen Areals erstreckte:

Gaswerk Thälmannpark

Die gute Nachricht ist, dass nach heutigem Kenntnisstand keine Gefahr für die Bevölkerung auf der Oberfläche ausgeht, da die Schadstoffe im Verlauf von vielen Jahrzehnten mittlerweile große Tiefen (10 bis > 20 Meter unter Geländeoberkante) erreicht haben und durch aufwändige Bodenaustauschmaßnahmen in den letzten beiden Jahrzehnten davon ausgegangen werden kann, dass bis in Tiefen von 5 Metern unter Geländeoberkante keine Schadstoffeintragungen mehr vorhanden sind, wobei wohl nicht alle potentiell betroffenen Gebiete des ehemaligen Gaswerkes mit der gleichen Aufmerksamkeit untersucht worden sind. Es wird aber davon ausgegangen, dass der Standort der ehemaligen Benzolanlage, die seit 1915 bis zur endgültigen Schließung des Gaswerkes im Betrieb war, die Hauptquelle der jetzigen Verseuchung des Grundwassers darstellt, und andere Teilareale in weitaus geringerem Maße zum Schadstoffeintrag beigetragen haben.

Allerdings besteht schon seit mehreren Jahren die technische Herausforderung, die Ausbreitung der Schadstoffe in das Grundwassersystem einzudämmen, um eine Gefährdung der Bevölkerung über einen langen Zeithorizont abzuwenden. Diese Maßnahmen zur Grundwasserreinigung werden nun erweitert, da Messungen ergeben haben, dass die Schadstofffahne bis zur Christburger Straße nachweisbar ist – siehe hierzu auch den Artikel der Prenzlauer Berg Nachrichten zur Veranstaltung.

Bei den Schadstoffen handelt es sich um mehrere Schadstoffgruppen, von denen zwei Schadstoffgruppen, BTEX und PAK, besondere Aufmerksamkeit verdienen. Die Komponenten der Schadstoffgruppe der BTEX, eine Abkürzung für die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und die Xylole sind es, die sich in der Schadstofffahne mittlerweile bis zur Christburger Straße ausgebreitet haben, während die PAK, eine Abkürzung für sogenannte polycyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, wesentlich weniger mobil im Untergrund sind und für lange Zeiträume (bis zu eintausend Jahre und mehr) lokal fast unverändert im Boden verbleiben können.

Aus Sicht unserer Anwohnerinitiative war diese Informationsveranstaltung sehr wichtig, um dieses die gesamte Bevölkerung in Berlin betreffende Thema auf eine sachliche Basis zu stellen, und immer wieder auftauchenden Gerüchten und Vermutungen zur Altlastensituation sachlich und objektiv begegnen zu können, gerade im Hinblick auf die anstehenden Veränderungen im Thälmannpark-Areal, z.B. Neubauten im Areal, Pläne zur Verdichtung von Randlagen etc..

Als erste konkrete Forderung werden wir nun darauf drängen, dass eine ausführliche Informationstafel am Ort der Grundwasserreinigungsanlage erstellt wird, damit alle Bürgerinnen und Bürger den Sachstand, wie er gestern sachlich und kompetent kommuniziert wurde, selbst nachvollziehen können. Und natürlich werden weitere Fragen aufkommen, die wir gemeinsam diskutieren und mit den Expertinnen und verantwortlichen Politikern besprechen werden.

Wir bleiben bei diesem Thema mit einer Arbeitsgruppe unserer Initiative (AG Altlasten) am Ball, und werden unseren Kenntnisstand und unsere Aktivitäten auf der Seite der AG Altlasten veröffentlichen. Wir wünschen uns in Zukunft maximale Transparenz zu diesem Themenkomplex, damit wir nicht wie unsere Vorfahren immer weiter nach dem Motto „Die Lösungen von heute sind die Probleme von morgen“ agieren und uns und unseren Nachkommen eine sichere Zukunft in Berlin ermöglichen können.

Markus Seng

P.S.: Die ausführliche Präsentation dieser Veranstaltung finden Sie nun hier … . Herzlichen Dank an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt für die Möglichkeit zur Veröffentlichung.